04.09.2011 Meine Premiere in der Klasse 1

Hierzu gibt es ein Video.

 

Am Sonntag dem 04.09.2011  ist es soweit, der Tag unserer Premiere in der Klasse 1 ist da.
? Nun, was macht man mit einer Hundeführerin, die immer schon Tage vor der Prüfung an nichts anderes mehr denken kann, und alles bekloppt macht? Ganz einfach, man gaukelt ihr das Gefühl vor, es gibt gar keine. Wir hatten das Glück, bis kurz vorher im Urlaub gewesen zu sein. Es war echt klasse, in Holland an der See. Wir hatten  jede Menge Spaß, und Andrea konnte sich dort wirklich nicht vorstellen, in wenigen Tagen eine Prüfung mit mir zu laufen. Noch nicht mal trainiert haben wir zwischendurch, denn im Urlaub sind wir trainingsmäßig immer sehr, sehr faul.
Wir kamen Freitagmittag zurück, und es gab sofort einen Haufen Arbeit für meine Menschen, da die Prüfung diesmal von unserem Verein ausgerichtet wurde. Dadurch war Andrea dann weiterhin sehr schön abgelenkt, und blieb sehr gelassen. Ich zweifelte bereits selber an unserem Start. Hatte ich da was verpasst?

 

Nun ist es bereits Sonntagmorgen. Obwohl um uns herum noch alles schläft, sind wir bereits auf dem Hundeplatz angekommen. Oh, es sind heute wohl noch mehr Leute so früh aufgestanden, was ist denn hier los? Überall flitzen sie durch die Gegend, bauen Zelte auf, schleppen ganz viele Tische und Stühle durch die Gegend usw...

Schön, wenn man ein Hund ist. Ich mache es mir im Auto erst mal richtig gemütlich, und schlafe ein wenig weiter, denn sooooo früh aufstehen, ist wirklich nicht mein Ding, schon gar nicht am Wochenende.

Nach einiger Zeit, wird mein Schlaf schon wieder unterbrochen, wir gehen auf unseren Vorplatz. Wie sieht’s denn hier aus? Es erscheint mir ein wenig merkwürdig. Wir laufen überall etwas rum, damit ich mir alles mal ansehen kann. Etwas eigenartig, aber nicht schlimm, und mein Frauchen ist immer noch ganz normal. Jetzt geh ich erst noch mal ein Weilchen ins Auto, und beobachte alles , was hier so geschieht. Komisch, es kommen immer mehr Menschen, und soooooo viele fremde Hunde,- auf meinen Platz! Nun ist es bereits kurz nach 9, und Andrea ist dieses Mal, als sie mich abholt, doch ein wenig nervös. Sie gibt sich wirklich Mühe, dass ich nichts davon mitbekommen soll, aber mir kann man so leicht nichts vor machen, und nun bin ich mir auch wieder ganz sicher,- heute ist Prüfung und wir Zwei sind dabei. Aha, sie hat da wieder so ne Nummer an ihrer Weste. Die Acht, wenn ich richtig sehe. Ist ja lustig, bei der Beginner hatten wir die Sieben. Juchhu, jetzt geht’s auf den Platz, aber leider darf ich gar nicht viel tun. Es sind nämlich erst mal die beiden Gruppenübungen dran. Hier muss ich mein Frauchen ja mal loben, sie ist wesentlich gelassener, als bei den Gruppenübungen unserer Beginner. Okay, in der Klasse 1, passiert da ja auch nicht wirklich viel. Während der Platzübung kann ich es mir leider nicht verkneifen, mal ganz kurz zu schnüffeln, aber wir haben Glück, und bekommen trotzdem für beide Übungen 10 Punkte. Erleichtert verlassen wir den Platz, und ich werde schon wieder ins Auto gebracht. Langsam würde ich aber wirklich gerne mal was Richtiges tun. Meinen Schlaf habe ich nun schon lange aus, mal ganz abgesehen davon, dass man hier eh ständig gestört wird.

Als Andrea mich das nächste mal abholt , ist ihr Zustand dann leider doch so, wie ich es von unserer Beginnerprüfung her schon kenne. Natürlich probiert sie wieder, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Für wie blöd hält sie mich eigentlich? Wir gehen spazieren, und ich bekomme sehr viele Bälle geworfen, - ganz nach meinen Geschmack. Oh,- ich bekomme ja sogar noch mal das Apportierholz. Nun gehen wir auf den Vorplatz, boaaaahr ist hier viel los. Mensch,- was mache ich bloß mit dieser Frau, nun schlottert sie schon wieder so rum, dass sie noch nicht mal in der Lage ist, ihre Wasserflasche richtig zu halten, und sich voll damit überschüttet,- echt megapeinlich !!! Ich tue mal besser so, als hätte ich nichts bemerkt, wird wirklich Zeit, dass wir auf den Platz kommen.

Ups,- nun geht’s wirklich los. Na von mir aus, im Gegensatz zu meinem menschlichen Gegenstück, bin ich da ganz cool. Mann, hat Andrea wieder mal Blei in den Beinen, und warum schlottern die denn so komisch. Ich stupse sie besser noch mal kurz an bevor es richtig losgeht,- möchte ihr einfach sagen:“ Keine Angst,- ich bin doch bei Dir.“ Die Leinenführigkeit beginnt. Als wir angehen sind Andrea’s Schritte zwar noch etwas unsicher, aber sie wirkt sehr konzentriert. Ich weiß, dass die Fußarbeit zur Zeit unsere größte Baustelle ist, und gebe mir richtig viel Mühe, alles gut zu machen. Andrea grinst mich zwischendurch immer ein wenig an, will mir damit Sicherheit geben, als ob ich es nötig hätte,- ich bin die Ruhe in Person, davon sollte sie sich erst mal ne Scheibe abschneiden. Die linken Winkel und Wendungen laufe ich heute viel schöner, als bei unserer Beginnerprüfung. Mein Arbeitsabstand ist ebenfalls schon etwas enger geworden, an diesen Dingen haben wir in den letzten Wochen sehr viel gearbeitet. Allerdings, macht es sich etwas bemerkbar, dass wir die rechten Wendungen in letzter Zeit vernachlässigt haben. Wir bekommen 8,5 Punkte. Jippieh!,- es sind 1,5 P. mehr, als bei unserer Beginner. In der Freifolge sieht es genauso aus, nun geht’s ins Achterquadrat. Andrea ist nun wirklich ganz bei mir, und nimmt alles um uns herum gar nicht mehr wahr. „ Super Frauchen, warum nicht gleich so, als Hund hätte sie da fast einen Click verdient, ich besitze leider noch keinen Clicker.“ Ich belohne sie mal mit einer netten Fußarbeit, sowie einem sehr schönen Platz aus der Bewegung. Die Richterin belohnt uns anschließend beide mit 10 Punkten. Als nächstes werde ich in der Box abgelegt, und anschließend abgerufen. Andrea ruft :“ Fuß“, und ich galoppiere in die Grundstellung. Dieses Mal schaffe ich es sogar Andrea dabei fast gar nicht anzurempeln, und wir bekommen, zu unserem Erstaunen wieder eine 10. Hatte ich nicht ein wenig in der Box geschnüffelt? Glück gehabt! Nun kommt meine absolute Lieblingsübung,- das Zurücksenden in die Box. Voller Freude und Spannung starre ich schon gebannt in die Richtung. Wenn ich in der Box stehe gibt es ja immer den Ball. Juchhu,- Mein Ball, mein Ball, mein Ball! Endlich,- Andrea sagt:“ Box“, und ich renne sofort los. Bei dem Wort :“ Steh“, halte ich sofort an und schaue zu Andrea. „Ball, Ball, Ball!“ Ups,- Andrea sagt leider dass ich Platz machen soll. Dies geschieht nur ganz selten,- aber klar, in der Prüfung ist es halt so. Ich lege mich brav hin, bis Andrea wieder bei mir ist, um mich in die Grundstellung zu holen. Ich denke Andrea freut sich sehr, als die Richterin schon wieder die 10 hochhält. Inzwischen, dass merke ich ganz genau, kommt ihr Lachen auch wirklich von Herzen, und ist nicht mehr für mich gespielt.

Auf geht’s zur Hürde. Einmal „ Hopp“, und ich springe sofort rüber, drehe mich direkt wieder um, springe zurück, und gehe komme wieder in die Grundstellung. Tja Frauchen, wir hatten die letzen Male mit einem Bodentarget geübt, dass ich noch ein paar Schritte weiterlaufe, bevor ich mich umdreh und wieder zurückspringe. Nun lag dort aber kein Target, und ich hab’s wohl noch nicht so ganz verknüpft, also bin ich sofort zurückgesprungen. Dafür, habe ich meine Beine aber so hochgezogen, dass ich die Hürde trotzdem nicht berührt habe, und so hat es dann doch noch mit der 10 geklappt. Siehst Du’s nun ein,- man sollte sich einfach mal auf mich verlassen, ich schaff das schon.

Jetzt kommt der Apport, dazu hatte ich mir ja in der ersten Prüfung eine besonders lustige Einlage einfallen lassen. Im Training mache ich es bis auf’s Knautschen ja recht zuverlässig. In der Prüfung, ist es noch etwas anders. Ich liebe doch Spielis so sehr! Da man ja in der Prüfung keines zur Belohnung bekommt, ist das Apportierholz dann natürlich ein wunderbarer Ersatz dafür. Da muss Mensch doch dann wirklich verstehen, dass ich dies nicht so schnell wieder abgeben möchte.

Okay Andrea, ich werde mich diesmal bemühen, den Spaß in Grenzen zu halten. Ich bleibe schön sitzen, bis das Apportel ausgelegt wurde, und ich geschickt werde. Nun rase ich aber hin, und nehme es sofort voller Freude auf. Auf dem Rückweg, kann ich es mir leider nicht verkneifen , mir das Objekt meiner Begierde ganz weit nach hinten in den Rachen zu schmeißen, und genüsslich ein wenig darauf rumzuknautschen. Um den Besitz eines „Spielis“, während einer Prüfung noch etwas länger auskosten zu können, komme ich auch nur langsam trabend wieder zurück, dafür verzichte ich diesmal aber auf die lustige Showeinlage, und setze mich ganz brav in die Grundstellung zurück. Na da hab ich mich doch für meine Verhältnisse gut zusammen gerissen, und siehe da, es reicht sogar noch für 8 Punkte.

Nun geht’s in die letzte Übung. Die Distanzkontrolle ist zur Zeit noch unsere unsicherste Übung. Irgendwie bin ich da immer ein wenig unsicher, ob ich wirklich vom Platz ins Sitz kommen soll. Dieses Problem hat sich durch die lange Ablage für die Begleithundeprüfung eingeschlichen. Habe ich den ersten Wechsel gepackt, kann ich beliebig weiter machen,- aber eben dieser, bereitet mir momentan manchmal noch Schwierigkeiten. In den letzten Wochen, haben wir diese Übung noch mal sehr spielerisch und mit einem neuen Kommando aufgebaut. Andrea hat sich da im Training jedoch nie so weit weg getraut, und ist nun sehr gespannt, wie es so klappt.

Die Distanzkontrolle ist sehr, sehr teuer, so hoffen wir natürlich, wenigstens 5 oder 6 Punkte zu schaffen. Ach Andrea, wenn Du wie ich den Punktestand verfolgt hast, brauchst du dir keine Sorgen mehr darüber zu machen. Ich habe doch so schön vorgearbeitet, dass wir uns nun eine 0 erlauben können, und trotzdem noch ein V schaffen. Also,- ran an den Speck. Ich werde abgelegt, und von meinem Frauchen zurückgelassen. Oh je,- die Übung findet direkt am Zaun, vor dem Publikum statt. Da sind auch ganz viele, fremde Hunde mit bei. Ich bin ja sonst recht cool, aber diese Situation beeindruckt mich nun doch ein wenig. Am besten ich drehe den Kopf mal ganz weit weg, in die andere Richtung, und schnüffel noch etwas. Wenn ich mich nicht für das Publikum interessiere, achtet wahrscheinlich auch niemand auf mich. Ups,- da wird meinem Frauchen da hinten schon wieder komisch zu Mute. Sicherlich denkt sie nun, wenn ich sie nicht anschaue, bekomme ich ihr Kommando nicht mit. Nun gut, dann reiße ich mich halt noch ein letztes Mal zusammen und sehe sie doch an. Uiiij, dass war nun aber wirklich noch in letzter Sekunde, ich hör schon ein „ Hepp!“, und sitze sofort,- dann ein „ Down“, und ich liege. Andrea kommt strahlend zu mir zurück,- es hat tatsächlich noch geklappt. Aber da war ja noch die Sache mit dem Schnüffeln. Egal,- für 9 Punkte wird’s sicherlich trotzdem reichen. Andrea ist etwas baff, als die Richterin tatsächlich noch mal die 10 hochhält. Mit so einem Ergebnis in dieser Übung, hätte sie niemals gerechnet. Ich bin super stolz, mein Frauchen damit überrascht zu haben. Am Ende erhielten wir dann nochmals eine 10, für den Umgang zwischen Mensch und Hund.„Nun habt ihr es geschafft,“ sagt Bianca lachend , die uns mit ihrer ruhigen, sicheren Art, so toll durch die Prüfung gestewardet hat. „ Und davor hattest Du solche Angst „ „ Sie,- hatten Angst?“ fragt die Richterin. „ Und wie,“ antworten Bianca und Andrea fast gleichzeitig,- woraufhin sie alle lachen müssen. Die Richterin kommt aus den Niederlanden, und spricht nur sehr wenig deutsch. Trotzdem versucht sie noch uns zu erklären, woran wir bei der Fußarbeit und beim Apportieren noch arbeiten müssen.

Wir gehen total glücklich und ausgelassen vom Platz. Laufen außer Sicht der anderen Hunde ins Feld, und ich bekomme nun endlich meinen geliebten Ball, ein ausgelassenes Spiel, und meine blaue Jackpotdose, mit leckerem Nassfutter.

Andrea kann es zuerst gar nicht richtig glauben. An so ein schönes Ergebnis, hatte sie wirklich nicht gedacht. Sie hatte auf ein knappes V gehofft, dazu hätten wir 256 Punkte gebraucht. Wir erreichten insgesamt 301, 5 Punkte, und belegten damit den ersten Platz in unserer Klasse.

Abends zu Hause sind wir beide total kaputt, aber super glücklich. Wir verbringen den Rest des Abends ganz gemütlich auf der Coach. Ich kuschel mich ganz fest an Andrea ran, werde gekrault, und höre immer wieder, was für ein toller Hund ich bin. Ich stupse sie immer wieder an, und lecke ihr durchs Gesicht.

Ich hoffe sie hat nun endlich mal geschnallt, dass sie mir einfach mal vertrauen muss, dann klappt’s beim nächsten mal vielleicht auch mit dem „ Click“. Aber bis dahin muss ich mir noch einen klauen, und üben, wie man den auslöst.