24.10,2010 Die traurige Geschichte meiner ersten Begleithundeprüfung

Nun war es also soweit, der Tag X war gekommen. Andrea hatte schon Tage vorher einen dicken Stein im Bauch und war froh, dass dieser heute entfernt werden sollte. Egal wie es heute ausgehen würde, danach hätten wir es endlich hinter uns.

Es war eine sehr kleine Prüfung, mit nur 7 startenden Teams, dass hieß wir würden nicht lange schmoren müssen. Als der Richter kam, wurde Andrea noch unruhiger, man hatte ihr den Namen nämlich nicht verraten, sonst hätte sie unseren Start nämlich noch mal überdacht. Sie kannte ihn, und hatte ihn als sehr streng in Erinnerung.

Als erstes waren 2 Teams mit älteren Hunden dran, die diese Prüfung schon mehrmals gelaufen waren, sie tun dies 2 Mal im Jahr, auf so eine Idee kämen wir nie. Die Hunde liefen zwar in unseren Augen etwas gelangweilt, aber sie liefen halt mit und hatten keinen großen Patzer dabei. Beide kamen durch. Dann gingen die nächsten beiden Teams auf den Platz. Andrea konnte nicht weiter zuschauen, da wir danach dran kommen sollten und sie mich warm machen musste. Hinterher erfuhren wir dass nur einer der beiden Bestand. Nun waren wir dran, gemeinsam mit unserer lieben Vereinskollegin Myriam (ein ähnliches Nervenbündel wie Andrea) und ihrer Hündin Shiva. Mit zitternden Beinen und kribbeln im Bauch ging Andrea auf den Platz. Ich lief natürlich ganz cool und stolz neben ihr her, und dachte nur:“ Was ist bloß los mit ihr?“ Unser Kollegenteam Myriam und Shiva sollte als erstes laufen, also mussten wir zuerst in die Ablage. Andrea brachte mich also zu der besagten Stelle, und gab mir das Platzkommando worauf ich mich sofort brav hinlegte. Mein nervöses Frauchen entfernte sich 30 Schritte von mir, und stellte sich mit dem Rücken zu mir hin. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was sich in ihrem Kopf abspielte. Ich sag nur soviel, nämlich dass ich ihren Herzschlag trotz der 30 Schrittentfernung bis zu mir gehört hab. Ich blieb aber trotzdem cool und brav liegen, so wie ich es gelernt habe. Kurz vor Ende der Freifolge, brach der Richter plötzlich die Prüfung von Myriam und Shiva ab,- warum? Andrea tat es unheimlich leid für die Beiden, sie hätten es normaler Weise schaffen müssen. Den Grund, hatte sie leider nicht sehen können, da es ja hinter ihrem Rücken geschah. Schade,- sonst wäre sie vorgewarnt gewesen, denn uns sollte genau das gleiche passieren….

Dadurch dass unsere Kollegen nun durchgefallen waren, wurde mein Frauchen noch angespannter. Ich dagegen blieb immer noch cool, und hochmotiviert startete ich mit Andrea in die Leinenführigkeit. Es klappte super, weder das Publikum noch die Personengruppe durch welche wir laufen mussten lenkten mich ab. Der Richter lobte uns sogar. Ich war voll da, so langsam merkte es selbst Andrea. Nun kam die Freifolge. Ich lief wieder wunderbar mit Andrea durch die Personengruppe, und kassierte sogar nochmal ein Lob von dem Richter. Wir liefen die Schrittfolge mit den Winkeln zurück zum Ausgangspunkt, um dann wieder mit den langweiligen 50 Schritt geradeaus anzufangen. Andrea wurde etwas entspannter, und dachte noch:“ nach diesen langweiligen 50 Schritten haben wir es geschafft. Den Geschwindigkeitswechsel danach macht Rani sehr gerne, und Sitz und Platz aus der Bewegung ist auch kein Thema.“

Ca. bei Schritt 38 ( Andrea zählte brav,- hätte sie mal besser auf mich geachtet) geschah es dann. Unser Weg verlief durch 2 Bäume, die sehr nah beieinander standen. Plötzlich drang ein unwiderstehlich leckerer Geruch in meine Nase. Es tat mir sooooo leid,- aber ich konnte nicht anders und musste mal ganz kurz anhalten, um noch eine Nase davon zu nehmen,- bis dahin ist mein Kopf doch schließlich auch die ganze Zeit fein oben gewesen. Dieser Geruch war wirklich,- glaubt mir einzigartig und betörend zugleich. Ich konnte ja auch nichts dafür, meine Nase ist so gut, dass ihr nichts entgeht, selbst wenn mein Kopf oben ist. Schuld, war eigentlich Andrea, denn hätte sie nicht konzentriert Schritte gezählt, und nach vorne geschaut um nicht schief zu laufen, hätte sie mein plötzlichen Anhalten früh genug bemerkt. Bei einer leisen Ermahnung ihrerseits hätte ich ja sofort weitergearbeitet.( lieb, wie ich nun mal bin,- hihi). Tja,- leider merkte sie es erst, nachdem sie schon locker 5 Schritte ohne mich weiter gelaufen war. Leicht geschockt wollte sie dann stehen bleiben, um mich zu rufen, aber da hatte sie die Rechnung wohl ohne den Richter gemacht. „ Sofort weiter laufen!“ , rief er im strengsten Soldatenton. Nach ca. nochmals 5 Schritten rief er dann, Andrea solle mich rufen. So rief sie mich dann, beim ersten Raaaaaaaani, ging meine Nase nach oben, und ich peilte, dass meine Idee zu schnüffeln wohl nicht so toll war. Schuldig und ein wenig verwirrt, schaute ich Andrea an. Beim zweiten Rufen kam ich dann sofort angaloppiert, aber der zweite Ruf, war dem Richter wohl einer zu viel, und er brach auch unsere Prüfung ab. Ich sprang an Andrea hoch und küsste sie, und so konnte sie gar nicht anders als mich liebevoll in den Arm zu nehmen und zu kuscheln. Nun erfuhren wir von dem Richter, dass ich heute schon der 3. Hund war, dem an genau dieser Stelle das Gleiche passiert ist. Er ging nun gucken, ob er dort irgend etwas verdächtiges finden konnte. Als er zurück kam sagte er, dass er nichts auffälliges sehen konnte, aber Hunde hätten halt sehr gute Nasen,- trotzdem müssten sie im Kommando bleiben und egal was dort war, sie hätten sich nicht ablenken lassen dürfen. Nach uns startete noch ein Team, gemeinsam mit einem sogenannten weißen Team, da es eine ungerade Zahl war. Dieses Team durfte nun ca. 3 Meter weiter rechts mit dem Parcours beginnen, um nicht ganz so dicht an dieser Stelle vorbei zu müssen. Leider roch es wohl so gut, dass auch dies nicht half, und somit ereilte an diesem schwarzen Tag 4 von 7 Teams das gleiche Schicksal. Andrea fragt sich heute noch, welcher Art dieser verdammt leckere Geruch wohl gewesen ist. Zum Glück, war sie mir überhaupt nicht böse, höchstens ein bisschen wütend über sich selbst, weil sie mein Anhalten durch die ganze Aufregung zu spät bemerkt hatte.

Nach der Prüfung wurde Andrea noch von vielen Seiten getröstet. Alle fanden es so schade, weil im Training immer alles so toll geklappt hatte. So, nun hatte es Andrea zum ersten Mal erlebt, eine Prüfung nicht zu bestehen, und ihre Reaktion darauf war ganz anders, als sie geglaubt hatte. Sie war gar nicht traurig und lachte sogar noch viel an diesem Tag. Das Leben würde weitergehen, und bis auf diesen einen Patzer ist doch alles richtig toll gelaufen. Es gehört halt immer auch ein wenig Glück dazu, noch nie hat Andrea es bei einer BH- Prüfung bis dahin erlebt, dass wegen 2Mal rufen eine Prüfung gleich abgebrochen wurde, da hat sie schon viel Schlimmeres gesehen. Vielleicht sollte sie aber auch einfach mal diese Erfahrung machen. Dass, vor dem sie nun so viel Angst gehabt hatte war wirklich eingetroffen,- und eigentlich gar nicht schlimm. Wirklich schade daran war nur, dass wir diese langweilige Prüfung nun in der neuen Saison noch mal wiederholen müssten,( denn dies war die letzte Startmöglichkeit vor Saisonende) und sich dadurch unser erster Obediencestart etwas nach hinten schieben würde.